Landwirtschaft

Glyphosat aus der Sicht einer „Landfrau“

„Unsere Stadt soll pestizidfrei werden“ So oder so ähnlich war die Überschrift eines kleinen Artikels in unserer Tageszeitung vor ein paar Tagen. Klingt ja erst mal ganz gut und früher wäre ich wohl auch voll mit auf den Zug aufgesprungen. Doch mittlerweile ich bin die Frau eines konventionellen Landwirtes und verstehe warum wir Glyphosat einsetzen müssen.

„Stoppt die Zulassung von Glyphosat…“

Wieso sage ich das ich früher auch mit auf den Zug aufgesprungen wäre? Meine Familie hat nichts mit der Landwirtschaft zu tun. Wir haben zwar immer relativ ländlich gewohnt und ich habe als Kind wahrgenommen das es dort immer Bauernhöfe gab, aber wirklich den Bezug dazu hatte man nicht. Im späten Grundschulalter sind wir dann in eine größere Stadt gezogen. Dort gab es erst recht keinen Kontakt zur Landwirtschaft und nachdem ich mit meiner Ausbildung fertig war bin ich nach Hamburg arbeiten gegangen. Sind wir mal ganz ehrlich – Sobald man in einer Großstadt lebt, verliert man doch jeglichen Bezug dazu woher unsere Lebensmittel eigentlich herkommen. Mir zumindest erging es so. Ich habe mein Essen und Trinken gekauft, bin arbeiten gegangen, hatte meine Hobbys und habe mich mit Freunden getroffen. Dann auf einmal, wie aus dem nichts BÄM – Werbung von Foodwatch bei Facebook „Stoppt die Zulassung von Glyphosat sonst sterben wir alle“ Ok, zugegeben das ist jetzt nur sinngemäß wiedergegeben, aber so kommt es doch letztendlich bei dem Endverbraucher an! Damals mit Anfang zwanzig habe ich mir aber nach wie vor nicht wirklich etwas dabei gedacht. Man hat jetzt mitbekommen das die Landwirte mit irgendwelchen Giftstoffen Schindluder treiben und auch das die Tierhaltung überall katastrophal sein soll. Beim nächsten Einkauf macht man sich dann kurz Gedanken woher das Fleisch kommt, welches man jetzt kaufen will oder greift doch einmal lieber zum Biogemüse, aber beim nächsten Einkauf ist das doch schon wieder vergessen. Man muss ja auch auf sein Geld achten, ich kann wirklich nicht jedesmal Bio-Produkte kaufen – Achtung Ironie.

„Ich könnte mir selbst an den Kopf klatschen…“

So, gehen wir langsam wieder in Richtung Gegenwart. Seit sechs Jahren bin ich nun mit meinem Mann zusammen und für mich war „diese“ Landwirtschaft wie ein weißer Fleck auf einer Landkarte. Wenn ich ganz ehrlich sein soll wusste ich eigentlich nichts darüber. Das Grundlegende natürlich schon: Kühe geben die Milch, aus Weizen wird Mehl gemacht etc. aber sonst?! Keine Ahnung und ich bin der ganz festen Überzeugung das es ganz vielen Menschen so geht wie mir damals. Heute weiß ich, das es auch in diesem Gebiet nicht nur schwarz und weiß gibt. Es gibt nicht NUR das ist richtig und NUR das ist falsch. Ich könnte mir selbst an den Kopf klatschen dafür das ich nicht selbst mal hinterfragt habe wieso etwas gemacht wird. Von Foodwatch, WHO und wie sie nicht sonst noch alle heißen, lassen wir uns viel zu stark beeinflussen und denken selbst gar nicht mehr darüber nach wieso, weshalb, warum. Wenn die sagen das ist so, dann wird es schon richtig sein. Sind ja schließlich große Organisationen, die müssen ja Ahnung davon haben.

„… sie durchpflügen regelrecht unseren Acker.“

Jetzt aber mal Butter bei die Fische. Wieso setzen wir Glyphosat eigentlich ein? Ich habe selbst mehrmals nachfragen müssen wofür genau es gut ist und wofür genau man es anwendet. Wir könnten ja auch ganz einfach wieder mit dem pflügen anfangen. Da fängt es aber auch schon an, durch das häufige Pflügen zerstören wir die Bodenstrucktur in der kaum noch Leben stattfinden kann. Eigentlich eine ganz schöne Ironie – alle glauben das ein mit Glyphosat gespritzter Boden kein Leben mit beinhalten würde, dabei ist es genau andersherum. Seit dem wir mit der schweren Bodenbearbeitung aufgehört haben, machen sich Unmengen an Regenwürmern an die Arbeit Pflanzenreste in den Boden zu holen und den Boden von oben bis unten zu durchlöchern. Fast könnte man sagen sie durchpflügen regelrecht unseren Acker. Das heißt auch es kommt viel Sauerstoff in den Boden und vor allem viel Humus. Jeder kennt doch die kleinen Regenwürmerhäufchen im Garten oder?! Der nächste Punkt ist die Erosion. Würden wir nach der Zwischenfrucht gleich pflügen und dann direkt säen, dann wäre der Boden Wind und Wetter schutzlos ausgeliefert. Die Folgen wären bzw. sind bei Trockenheit Sandstürme und bei Starkregen Schlammlawinen. Dies sind übrigens zwei wichtige Beispiele die wir beachten müssen, da der Klimawandel uns bereits erreicht hat und das Wetter immer extremer werden wird. Wenn wir also die Zwischenfrüchte (die Übrigens den Boden düngen sollen) nur mit Glyphosat behandeln behält der Boden viel mehr Struktur. Die Pflanzen zerfallen ja nicht in die kleinsten Staubpartikel nur weil sie behandelt wurden. Das Wurzelwerk unter der Erde bleibt und das Organische Material auf dem Boden auch. Es lebt zwar nicht mehr, aber es erfüllt einen ganz wichtigen Zweck. Außer Acht darf man natürlich auch nicht die Kostenfrage lassen. Einmal mit der Spritze mit einer tierischen Arbeitsbreite über den Acker zu fahren ist natürlich um einiges günstiger als ewig mit dem Pflug über den Acker zu juckeln. Es spart wirkliche viele viele Liter Diesel ein. Womit wir also auch noch CO² einsparen und das ist doch in Zeiten des Klimawandels kein Aspekt mehr den wir außer Acht lassen sollten.

Ein riesen Irrtum der aktuell in den Köpfen der Menschen vorherrscht ist, dass anscheinend überall Glyphosat drauf gespritzt sein soll. Wieso sollte das so sein? Wenn es so wäre, dann wäre die Gemüseabteilung leer. Wieso sollten die Landwirte ihren fertigen erntereifen Produkten noch mal eine runde Glyphosat ausgeben? Denkt doch mal nach, sie würden wegfaulen und zwar so schnell das sie gar nicht mehr im Geschäft ankommen würden.

Es wird alles lange nicht so heiß gegessen wie es gekocht wird. Fragt doch einfach mal die Bauern wieso sie das machen wie sie es machen. Es gibt mittlerweile Landwirte die sich im Internet für ihre Sache stark machen und auch versuchen zu erklären. Schaut mal hier vorbei. Es wird seit ein paar Jahren eine so große Hetze gegen die Landwirte betrieben, dass Betriebe am überlegen sind zu schließen oder es soll einfach nicht mehr weiter vererbt werden. Wir sind mittlerweile auch so weit und sagen das unsere Kinder später das machen können was sie wollen. Keiner von den Beiden soll sich dazu gezwungen sehen Landwirt zu werden. Aus heutiger Sicht stelle ich mir das in ein paar Jahrzehnten nämlich nicht mehr so witzig vor.

Lasst uns doch bitte diese Kluft die durch Medien und Politik entstanden ist wieder kitten und wir reden miteinander, nicht übereinander! Hoffentlich konnte ich euch ein wenig meine Sichtweise näher bringen als Nicht-Landwirt. Für Fragen stehe ich gerne zu Verfügung, zur Not frage ich einfach die Fachkompetenz wenn ich etwas nicht weiß 😉

Eure Caren

2 Kommentare zu „Glyphosat aus der Sicht einer „Landfrau“

  1. Das hast Du sehr schön geschrieben, Karen. Aber ich glaube nicht daran dass es in dieser Gesellschaft noch was zu kitten gibt. Es werden immer neue Forderungen von Menschen aufgestellt die nicht das Geringste mit der Landwirtschaft am Hut haben. 🙁 Wir haben eine Landwirtschaft mit ca 50 Stk, Vieh, die wir jetzt dann verpachten. Wir haben beide eine kleine Pension und ich mag einfach nicht mehr solche Menschen ernähren die einfach so über uns bestimmen. Hier in Österreich müssen heuer zB.30-40% der Kartoffelernte entsorgt werden, weil es keine Möglichkeit mehr gibt den Drahtwurm zu bekämpfen. Und geschädigte Knollen kauft auch niemand mehr. Es wird ab März 2019 keine heimischen Kartoffeln mehr geben, dann muss importiert werden. Und da fragt dann keiner nach ob und was da gespritzt wurde. 🙁 Aber einige österreischische Bauern haben wieder das Handtuch geworfen. Was ist das überhaupt für eine Politik die sowas zulässt? Wie kurzsichtig kann man eigentlich sein??? lg aus der Steiermark Frieda

    1. Da gebe ich dir vollkommen recht! Es entscheiden Leute nicht gar nicht wissen wie etwas abläuft. Ich denke dagegen kann man leider nichts machen, außer in seinem Umfeld „Aufklärung“ zu betreiben und versuchen Verständnis zu vermitteln. Zufällig habe ich mich heute mit meinem Mann darüber unterhalten, dass die Mehrheit der Menschen keine Ahnung mehr von Landwirtschaft haben und trotzdem alles besser wissen.

Kommentar verfassen

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.